Aufrufe
vor 3 Wochen

Kinderzeit Bremen 09/10 2026

  • Weitere Details anzeigen
  • Kampfsport für kids
  • Weiterbildung für eltern
  • Beruf und karriere
  • Sport und bewegung
  • Kinderfilme
  • Buchtipps
  • Kindertermine
  • Familienevents
  • Herbstferien
  • Kursangebote
  • Gastrotipp
Familienmagazin für die Region Bremen, Ausgabe September/Oktober 2026

SPORT & BEWEGUNG

SPORT & BEWEGUNG Respektvoll Kräfte messen KAMPFSPORT FÜR KIDS Wer an Kampfsport denkt, hat oft diese Bilder im Kopf: Handkantenschlag. Blitzschnelles Ausweichmanöver. Ein Kick, der sitzt. „Das würde ich auch gern können!“, träumt so mancher junge Hüpfer. Warum nicht einfach mal ausprobieren? © Uladzimir / stock.adobe.com Kampfsport ist vielfältig. Kampfsport, das ist Wettkampf, Kräftemessen, perfekte Technik. Aber nicht nur. Im Kindertraining geht es in erster Linie um ganz andere Dinge: „Losgelöst von der jeweiligen Technik wollen wir den Kindern beibringen, sich an Regeln zu halten, aufeinander zu achten“, sagt Swen Körner, Professor an der Deutschen Sporthochschule Köln und Leiter der Abteilung für Trainingspädagogik und Martial Research. Für den Sportpädagogen steht der Spaß an erster Stelle. „Kinder messen sich gern, versuchen, eine Situation für sich zu nutzen und stärker zu sein, als andere“, erklärt er. Körner ist Experte für alles, was mit Kämpfen zu tun hat, war Mitglied der Nationalmannschaft im Vollkontakt-Taekwondo und praktiziert diverse Kampf- und Selbstverteidigungsstile. 4

SPORT & BEWEGUNG Kampfsport ist in Deutschland extrem beliebt - über 600.000 Kampfsportler:innen sind im Olympischen Sportbund organisiert, die Hälfte davon ist unter 18 Jahre alt. „Wir haben im Kampfsport eine enorme Vielfalt, es gibt mehrere hundert Arten“, sagt der Sportprofessor. Letztendlich gehe es bei allen natürlich ums Kämpfen. Aber zuerst gilt es, den eigenen Körper kennenzulernen, sich selbst besser einzuschätzen und respektvoll mit anderen umzugehen. Körner unterrichtet an der Sporthochschule u. a. „Ringen und Kämpfen“, das Teil der Lehramtsausbildung ist. „Wir möchten mit der Ausbildung Lehramtsstudierende in die Lage versetzen, die pädagogischen Potenziale des Kämpfens auch in der Schule unterrichten zu können“, sagt er. „Kinder setzen sich gern körperlich auseinander, sie raufen gern. Kämpferische Spiel- und Übungsformen holen sie bei einem Bedürfnis ab.“ AUSPOWERN MIT KÖPFCHEN Motorisch gesehen ist jedes sportliche Training ein Booster für die Entwicklung. Was ist das Besondere am Kämpfen, dass es sogar im Schulsport vorgesehen ist? Laut Körner hat Kampfsport verschiedene Aspekte: Er verbessert die koordinativen Fähigkeiten, das Gleichgewicht, die Beweglichkeit. Die Muskeln werden kräftiger, die Reaktion wird schneller - und Erfolge stellen sich für Kinder schon nach wenigen Trainingseinheiten ein. Mindestens genauso wichtig wie die körperliche Entwicklung ist das, was im Kopf passiert. Das Training fordert Konzentration, Geduld und Ausdauer. Kinder entwickeln sich persönlich weiter. Sie erfahren Selbstwirksamkeit. Das stärkt ein gutes Selbstkonzept - also das Bild, das sie von sich selbst haben. MAHLZEIT! Ernten und Essen 4. Oktober 2026 11.00 bis 18.00 Uhr Wir kämpfen, aber wir passen aufeinander auf und wissen immer, wo die Grenze ist. RESPEKT LERNEN, GRENZEN WAHREN Und dann ist da noch das Zwischenmenschliche, der soziale Aspekt. Kampftraining ist kein Teamsport, aber hinter jeder gelungenen Technik stecken Vertrauen, Respekt und Teamarbeit - besser gesagt: das Zusammenspiel von Trainer:in und Schüler:in. Die Rollen sind klar definiert, Kinder lernen, aufmerksam zuzuhören, Bewegungsabläufe Schritt für Schritt umzusetzen, zu üben und dranzubleiben, auch wenn etwas nicht sofort klappt. Rituale drücken Höflichkeit und Disziplin aus, zum Beispiel das Verbeugen vor und nach den Partnerübungen. Und es gibt klare Regeln: Wir kämpfen, aber wir passen aufeinander auf, wir wissen immer, wo die Grenze ist. „Darin unterscheidet sich der Kampfsport ganz wesentlich von anderen Sportarten wie Schwimmen oder Handball“, sagt Körner. Wie sieht es mit Verletzungen aus? „Jeder Kontaktsport birgt Verletzungsrisiko, aber im Kinderbereich steht die Freude am Kampf im Vordergrund“, so Körner. Natürlich lernen Kinder auch Techniken zur Selbstverteidigung. Das Ziel ist jedoch nicht, das eigene Ego durchzusetzen oder andere zu besiegen. Im Gegenteil: Gute Trainer vermitteln, dass die beste Auseinandersetzung die ist, die gar nicht erst entsteht. Kinder lernen, Konflikte früh zu erkennen, Grenzen klar zu setzen und möglichst deeskalierend zu handeln. Deshalb gilt Kampfsport auch als wirksame Form der Gewaltprävention. Dipl.-Psych. Marina Scharenberg Systemische Beratung und Therapie Kurzfristige Termine in meiner psychologischen Privatpraxis Westerstr. 3-5 (0421) 847 937 66 www.gluecksschmiede-bremen.de 5

Kinderzeit Bremen

© 2020 Copyright by Verlag aus Bremen UG